Gott ist ein Placebo

Ich hülle mich mal wieder ein
In einen Hauch der Zuversicht
Zur Zeit ist alles irgendwie
Und überhaupt ganz furchtbar schlecht —

Was Gutes mir passiert
Ist stets von Gott gekommen
Ich fühle mich von ihm geliebt
Ich selbst habe nie etwas dazu getan
Wenn mir etwas gelungen
Stets ist es nur der göttliche Geist
Der meine Feder geschwungen
Denn eigentlich kann ich gar nicht malen
Und schreiben auch nicht sehr
Ich habe zwar geübt fast jeden Tag
Und das seit zwanzig Jahren
Dennoch ist es nur der unsichtbare Geist
Mein Freund aus Kindertagen
Ohne ihn würde ich beständig klagen —

Bin ich einmal im Krankenhaus
Sind Ärzte praktisch Handlanger nur
Denn Gottes Hand führt das Skalpell
Alles andere wär wider die Natur —

Bei all dem Schrecklichen in der Welt
Hilft nur noch Hoffen und Beten
Meine Arbeit habe ich längst gekündigt
Bin ein Vollzeitjünger im Leben
Ich verkünde mit salbungsvollen Worten
Dass der Mensch nur glauben muss
Am Ende wird alles gut ausgehen
Und ist es noch nicht gut
Dann war es noch nicht das Ende —

Nur Gott versteht, was Menschen wollen
Wir sind nur seine verlängerte Hand
Am Rockzipfel der Unvernunft
Hängen die Schafe tiefenentspannt —

Hier und da wagt eins zu blöken
Und faselt was von Placebo
Dass der Mensch sich selber heilt
Und Kunst durch Übung entstünde
Diese Heiden werden auch noch bekehrt
Und befreit von jeglicher Sünde.


        © Dominik Alexander / 2024
        © Beate Bachmann (image)

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