Im Jenseits der Sterne

Bis bald, sagte er, und ließ den Kopf sinken. Da ist so eine Gewalt in mir; die muss mal raus. Sonst krepier ich hier, verstehst du?

Nein, sagte sie, ich ahnte es wohl, doch fühle ich dich nicht. Da ist so eine Kühle in meinem Herzen. Die versperrt mir die Sicht, auf all die ungesagten Dinge. Gelingen kann uns nichts mehr, wenn wir uns so gehen lassen. Mehr sag ich nicht.

Dann gibt es auch nichts mehr zu hoffen, sagte er, und schaute weg, noch ganz besoffen von dem Nebel der vergang’nen Tage. Keine Frage, du gehörst zu mir, und ich gehör zu dir. Doch beide sind wir zu verschlossen, um das zu sehen.

Den Schlüssel finden wir beide nicht, sagte sie, und ging einen Schritt – nicht auf ihn zu; ins Tal hinunter. Der Morgen liegt noch immer hinter den Bergen, und seine Schergen, all die tausend Lichter über dem Wasser, all die strafenden Gesichter. Ich will nicht mehr dahin.

Dann komm mit mir, sagte er. Seine Worte sehnend, doch seine Augen wie die von einem wilden Tier.

So sag mir endlich, wohin du willst, sagte sie. Nimm mir meine Angst vorm Unbekannten.

Das kann ich nicht, sagte er, das weißt du doch. Auch wenn du noch so sehr in Sicherheit leben willst; dort unten liegt sie längst begraben. Kommst du mit mir, trägst du im Herzen sie doch mit dir.

Genügt mir das, fragte sie, doch wollte keine Antwort. Die hatte sie; sie lag in ihr – traute sich nur noch nicht hinaus ins Dunkel.

Das Funkeln dieser Sterne weist den Weg, sagte er. Komm du nicht mit mir; ich folge dir. Willst du lieber mit Orion jagen? Oder mit dem Löwen unter schattigen Bäumen dösen? Dich Capella und dem Fuhrmann anschließen? Oder lieber einen Becher Wein genießen?

Nichts von alldem, sagte sie. Mein Weg führt mich zu den Plejaden, den kleinen, die jedoch so viele sind. Ein Schwarm ist’s, den ich begründen möchte. So bin ich denn bereit.


        © Dominik Alexander / 2024
        © 8385 (image)

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