Um rote Roben

Die Nacht ist kühl und feucht
Da habe ich mich selbst auf die Straße gescheucht
Das Rad gleitet gemächlich dahin
Dabei kommt mir gar nicht in den Sinn
Dass da noch was passieren könnte —

Jedenfalls komme ich von Proben
Keineswegs mit roten Roben
Unsere sind schwarz
Doch gerade in der Wäsche
Also muss es ohne gehen
Eine pantomimische Handbewegung hier
Ein Augenrollen dort
Ausdrucksloses Gesicht
Wo der Text nicht mehr sitzt —

Es ist kaum noch eine Woche Zeit
Doch kaum noch jemand scheint bereit
Für diesen Auftritt
Diese Premiere
Was für eine Misere
Was haben wir gelacht
Und jeder insgeheim daran gedacht
Das kann doch gar nicht funktionieren
Ich werde mich so sehr genieren
Vor dem Premierenpublikum
Denn ich bin ja nicht dumm
Das kann doch gar nicht funktionieren —

Und so drehten wir uns im Kreis
Unter dem Dach wurde es ganz heiß
Und noch viel heiser
Weil im Ensemble eine Kranke war
Der erste Verschleiß wird offenbar —

Hätten wir nur rote Roben gehabt
Doch wir haben nun mal schwarze
Als wenn es da einen Unterschied gäbe —

Das erste ist Bundesverfassungsgericht
Das andere trägt jeder kleine Wicht
Der irgendwo in den Justizfluren rennt —

Und dann hat da eben dieser Linksabbieger gepennt
Und mich als Geradeausradfahrer beinahe umgenietet
Hart gelandet bin ich da
Weil ich hart bremsen musste
Zum Glück nur schräg auf meinem Sattel
Doch auf falscher Stelle
So bin ich dann gar nicht mehr schnelle
Durch die kühle feuchte Nacht entschwunden
Und nach Hause unumwunden
Irgendwie.


        © Dominik Alexander / 2024

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