Nie ist etwas so, wie es einst war
Wir können uns an einem schönen Tage wünschen
Möge morgen ein wenig ähnlich sein
Ich mochte den Sonnenaufgang an diesem Morgen
So friedlich und ohne dass die Krähen krächzen
Die Schatten waren ein warmes Kupfer
Und nicht so dunkel und schwer wie gestern
Nichts lässt sich ändern
Wenn noch Blut aus den offenen Wunden tropft
Dann denkst du erst einmal an dich selbst
An dein eigenes Leid
An deine eigene Geschichte voller Sehnsucht
Wo sind nur die Wünsche von damals geblieben
Weshalb ist das Zusammensein nur so verroht?
Ein neunter November in einem wilden Land
Das keinen Stillstand mehr kennt
So wie sich die Welt nur immer schneller dreht
Und nicht mehr atmen kann vor lauter Klimawandel
Sterne ziehen sich hinters Himmelszelt zurück
Wollen nichts mehr anschauen müssen
Haben Sehnsucht nach etwas Dunkelheit
Das wilde Land versammelt laute Stimmen
Jeder hört sich selbst am liebsten schreien
Sanft artikuliert und geschichtsversessen
Schafft es niemand mehr auf Seite Eins
Zeitungen versammeln sich im digitalen Raum
Da sind Seiten ohnehin irrelevant
Wenn alle nur noch nach Neuem scrollen
Wer auch nur einen Hauch von kaltem Winde spürt
Glaubt an die Feindschaft seines Gegenüber
Die Tastatur ist schnell zurechtgerückt
Digitaler Kampf schnellt rasch in ungeahnte Höhen
Der Colt sitzt in den heißen Fingerspitzen
Und glühend Wort fegt übers wilde Land
Hier ist die Farce, die keiner kommen sah
Besonnen sollen Worte heute doch nur sein
Man lädt die Dichter und die Denker
Doch will nur Lobeshymnen singen hören
Auf dieses Glück vor fünfunddreißig Jahren
Die anderen Jahre fühlt man nur am Rande
Und scheinbar soll man ebenso vergessen
Was erst vor wenigen Tagen hier geschah
Als sich politische Eliten unversöhnlich schieden
Beim Scheidungsakt mieden sie jeden Blickkontakt
Wer glaubt denn jetzt noch salbungsvollen Worten
An Orten, die das Gute und das Böse schon gesehen
Die nichts mehr erschüttern kann als Ungewisses
Wer einen neuen Sonnenaufgang sehen will
Muss erst die alte Sonne unters wilde versenken.
© Dominik Alexander / 2024