Religion ist an und für sich der Anfang vom Ende

Den Titel hat mir heute der Moral-o-mat ausgespuckt. Beziehungsweise habe ich ihn mir erblättert. Kurz zuvor hatte ich mir noch überlegt, worüber ich heute schreiben will. Mal wieder spät in der Nacht. Die Krankheit der vergangenen Tage (selbstverständlich nach dem Urlaub) hat sich auf ein Minimum verringert (die Nase läuft noch, doch der Kopf ist kein Gemüse mehr), doch zum Denken bin ich trotzdem noch nicht wieder bereit.

Gerade ist so ein Schwebezustand zwischen Dilirium, beinahe geistiger Umnachtung, in dem ich wenigstens vernünftigerweise etwas DADA hinbekomme, und Enthusiasmus, wobei ich an den schon lange nicht mehr herangekommen bin. Um genau zu sein seit drei Wochen. Gegenwärtig bin ich also in so einer Art Nichts gefangen, in dem mir nichts einfallen will, weil all mein Denken auf wundersame Art ausgelagert scheint. Muss erst wieder hier ankommen von seiner Reise ins Irgendwo. Vielleicht steckt mein Geist auch noch in Bochum fest, hat den sechsstündigen Zug verpasst und kommt nun ohne Körper einfach in keinen anderen Zug mehr rein. Doch zurück nach Bochum kann ich nicht; mein gesamter verbleibender Urlaub für dieses Jahr ist bereits verplant. Also muss es einstweilen ohne Geist gehen und mit Naselaufen. Und Moral-o-mat. Als Anstoß.

Religion ist an und für sich der Anfang vom Ende.

Und da hat er recht. Das an und für sich kann er weglassen. Ohne Floskel in der Mitte geht es auch:

Religion ist der Anfang vom Ende.

Als die Religion in die Welt kam – also mit dem Menschen – hat alles begonnen und brachte das Ende im Schlepptau gleich mit. Verschwindet einst der Mensch, verschwindet auch die Religion. Ist die Erde dann nicht mehr? Doch, die Erde gibt es noch, gewiss auch Leben. Nur keine Zeit, keine höhere Macht, keine niedrige Macht (was auch immer das sein mag). Es könnte ein Paradies sein, wäre dieser Begriff nicht so religiös aufgeladen. Eher noch ein Idealzustand, in dem – trotz allem – noch immer Krieg tobt. Dann allerdings nicht mehr Mensch gegen Mensch sondern speziesübergreifend: Löwe gegen Gazelle; Reiher gegen Karpfen; Bär gegen Lachs; vielleicht sogar Eisbär gegen Pinguin, wenn das mit der Klimaerwärmung so weiter geht.

Beides getrennt funktioniert natürlich auch:

Religion ist der Anfang.
Religion ist das Ende.

Doch damit hätte ich den Sinn des Moral-o-maten völlig entstellt.


        © Dominik Alexander / 2025
        © RosZie (image)

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