Der Bus fährt mich auf die Insel Poel
Typische Insel
Typisches Inselleben
Man hat sich auf Touristen eingestellt
Lebt aber ansonsten ein viel ruhigeres Leben als auf dem Festland
Nicht wirklich abgeschnitten vom Rest der Zivilisation
Denn Social Media gibt es ja auch hier
Trotzdem fühlt sich das Herz an
Als könne es hier einen Gang herunterschalten —
Ja, auch hier quengeln kleine Kinder
Nerven breitbeinig ihre Fahrräder malträtierende Männer
Doch es stört mich nicht
Immerhin ist Urlaub
Jedenfalls meiner
Ich muss nicht schnell irgendwohin —
Zu spät wäre ich heute dran
Würde ich den letzten Bus zurück aufs Festland verpassen
Doch wäre das schon zu spät?
Ich muss morgen schließlich nur nach Lübeck
Fahre ich eben morgen
Ganz ohne Sorgen
Könnte ich auf Poel die Nacht verbringen
Irgendwo beim Spühlen helfen
In einer Gaststube
Oder noch besser:
Im Imbiss der Minigolfanlage
Zu spät für heute
Aber morgen bin ich wieder im Plan —
Zu spät für diese Woche?
Da müsste ich ein paar Hotels stornieren
Ein wenig umdisponieren
Gegebenenfalls Helgoland streichen
Aber dort soll es am Sechzehnten
Stand heute
Ohnehin regnen —
Zu spät für dieses Jahr?
Geht es um ein Projekt
Um eine Förderung
Besteht eine Chance auf Verlängerung
Vielleicht bekommen wir es noch hin
Gerade so
Ein wenig verzögert —
Es ist entschleunigend
Sich mal nach der Kirchturmuhr zu richten
Das Mobiltelephon habe ich mit Absicht im Hotelzimmer gelassen
Habe mich auf die Terrasse ins Zeitlose gesetzt
Höre drei Schläge
Viertel vor um
Höre vier Schläge
Kurz darauf acht
Es ist acht Uhr abends
Für heute ist das längst nicht zu spät
In vier Stunden kann ich noch einiges bewegen.
© Dominik Alexander / 2024
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