Ich tanze zum Wiegenlied des Mooses
In den Wind hinein
Schließe meine Augen
Lasse mich in eine Ruhe hineintragen
Die es tagsüber nie mehr geben wird —
Die Gedanken sind getautes Eis
Vertraute Einsamkeit verleitet zu Kopfständen
Umständliches Strecken aller Glieder
Es sind immer die Umstände
Immer nur sind es die Missstände
Die in den Zeitungen stehen —
Nachsinnen an der geöffneten Balkontür
Die kühle Nachtluft nicht einfach nur ertragen
Sondern versuchen zu genießen
Spüren wie sich die Haut zusammenzieht
Neugier auf das Unentdeckte
Das auf ewig unentdeckt bleiben wird —
Eine Hitze spüren, wo keine ist
Sich immer fragen
Hatte ich jetzt gerade diese Gedanken
Oder habe ich sie gestern erst von einem anderen gehört?
So oft möchte ich etwas tun
Und bin doch überwältigt
Von den Möglichkeiten
Am Land bekommen die Menschen viel mehr zustande
Als in der Stadt
Mit dem Stift in der Hand mehr
Als mit Fingern auf der Tastatur —
Der Bildschirm ist kein Spiegel der Seele
Er ist die undurchdringliche Mauer zur Realität —
Doch es nützt nichts
Wir müssen weitergehen
Denn bleiben wir stehen
Dreht sich die Welt trotzdem weiter —
Je länger das Leben dauert
Wird es immer weniger heiter
Ist das eine Platitüde
Oder nur ein Versprechen?
Komm erstmal in mein Alter
Wenn du aus der Schule raus bist
Beginnt der Ernst des Lebens
Sagen Ältere
Um Jüngeren den Spaß am Leben zu nehmen —
Meist gelingt das auch
Dann werden aus den Jüngeren
Wenn sie älter sind
Eben solche griesgrämigen
Muffligen
Schlecht gelaunten Gegenredner —
Dann ist die Blume im Gras einfach nur da
Während sie früher schön und bunt war —
Je älter ich werde
Umso deutlicher sehe ich in mich hinein und weiß
Ich bin immer noch derselbe
Es gibt keinen Übergang von Jung zu Alt —
Stets haben wir die selben Zweifel
Die selben Sorgen
Wünsche
Doch die Distanz wächst
Auf die wir zurückschauen können —
Wir kennen immer mehr
Doch wissen immer weniger
Wir schätzen richtiger ein
Nehmen Unwichtiges nicht mehr wichtig
Wir schöpfen aus Bekanntem
Lernen immer weniger hinzu —
An einem Tag möchte ich einen Baum ausreißen
Am nächsten will ich einen pflanzen
Möchte von einem Früchte essen
Verbotene
Nicht verbotene
Wer hält sich noch an alte Gesetze?
Wenn ich ehrlich bin
Denke ich oft daran
Was ich bisher alles verpasst habe
Dabei wäre es so einfach zu sagen:
Jeder Tag beginnt nach dem Schlaf ganz neu
Dann ist heute eben der Tag, an dem es beginnt —
Ehrlichkeit nicht nur von anderen verlangen
Ehrlich sein vor allem zu sich selbst
Mit positivem Beispiel voran gehen
Sich nicht daran stören
Wenn andere anders sind
Denn so ist einmal die Welt.
© Dominik Alexander / 2024
© Dirk Wohlrabe (image)